Ausgabe: Weihnachten 1999


Alte Weyherstraße

An dieser Weyherstrasse befand sich der andere etwas kleinere Hügel auf dem um das Jahr 1500 das Hilfarther Franziskanerkloster „Zum heiligen Leonhard“ errichtet wurde. Es umfasste den heutigen Bereich Nohlmann-, Ingelmann-, Breite Straße. Teile des Klosters sind noch vorhanden und heutiger Wohnsitz der Familie Theißen und von Frau Therese Vieten. Da bis zum Jahr 1803 die katholische Bevölkerung Hilfarths der Pfarre Brachelen angeschlossen war, wurde von diesem Kloster auch die seelsorgerische Betreuung teilweise mit übernommen - vor allem dann, wenn bei schlechten Witterungsverhältnissen die Menschen ihre Pfarrkirche in Brachelen nicht besuchen konnten.
Noch vorhandene alte Dokumente geben einiges über das Zusammenleben der Klosterbewohner und der Hilfarther Dorfgemeinschaft wieder. Kam es zu Streitigkeiten musste der Herr von Horrich zu Brachelen, der Vogt von Heinsberg oder in ganz schwierigen Fällen sogar der Herzog von Jülich angerufen werden. Überwiegend lebten die Menschen aber friedlich miteinander. In den Wirren und Ereignissen der verschiedenen Kriege der vergangenen Jahrhunderte waren die Hilfarther aber froh, wenn sie hinter den Klostermauern Schutz suchen konnten. Solange das Kloster bestand sind zwei Kriegsereignisse für Hilfarth sehr bedeutungsvoll gewesen:
Der Spanische Krieg (1568 - 1589) Das Herzogtum Jülich, zu dem Hilfarth in dieser Zeit gehörte, war von spanischen Kriegstruppen besetzt. Die Bevölkerung muss unter dieser Besatzungsmacht durch Drangsal und Ausbeutung furchtbar gelitten haben. Der Überlieferung nach soll es in dieser Zeit im Bereich der Wolf-, Breite-, Nohlmann-, Kaphof- und Rurstrasse ein spanisches Militärlager gegeben haben. Deshalb ist für diesen Bezirk in Hilfarth auch heute noch der Beiname „Et Spansch“ gebräuchlich.
Der Dreißigjährige Religionskrieg (1618 - 1648)
Im Jahr 1641 brannte das Kloster und alle zu dieser Zeit in Hilfarth vorhandenen Gebäude bis auf die Grundmauern vollständig nieder. Bereits im gleichen Jahr wurde mit dem Wiederaufbau der Klosterkirche und des Klosters begonnen. Viele Hilfarther Bürger bauten ebenfalls ihre Häuser und Höfe wieder auf.
Über die Zeit danach, von 1650 bis etwa um 1800, gibt es nur wenig über das Kloster zu berichten. Ein Inventarverzeichnis von 1752 vermeldet 50 Morgen Ackerland, 43 Morgen Wiesen und etwa 2.000 Taler ausgeliehenem Kapital. Auch die Wirtschaftsgebäude waren ziemlich umfangreich, da sie für die Ernte von 72 Morgen Besitz ausreichten. Zuletzt beherbergte das Hilfarther Kloster 12 Nonnen, eine Klostervorsteherin und einen geistlichen Rektor.

Durch politische Ereignisse um die Jahrhundertwende zum 19. Jahrhundert, kam ein sehr schnelles Ende des Klosters. Im Jahre 1796 besetzten die Franzosen unter Napoleon das Rheinland. Im Jahre 1802 wurde im Namen der Französischen Revolution und im Namen seines Kaisers Napoleon, der Hilfarther Konvent, genau wie alle anderen Klöster im Rheinland, aufgelöst. Die Nonnen wurden vertrieben. Im Jahre 1804 wurde der gesamte Klosterbe-reich für 3.800 Franc an Lambert Hensen aus Hilfarth verkauft. Durch den mutigen Einsatz bei der französischen Präfektion gelang es aber einem Bauern namens Peter Schunk einen Teil aus diesem Besitz heraus zu lösen und der Dorfgemeinschaft Hilfarth zu überlassen. So konnte die Klosterkirche, eine Rektorwohnung und ein Garten von 49 ar im Dorfbesitz verbleiben. Dieser Besitz bildete das Grundvermögen der späteren Pfarrei Hilfarth.

Brückstrasse und Kloster in Hilfarth.
Die ersten Ansiedlungen „Op et Heelvert“ befanden sich nachweislich auf zwei Hügeln im Bereich der Brückstrasse und der heutigen Nohlmannstrasse, wobei die ältere Ansiedlung mit Sicherheit an der Brückstrasse „op der Berg“, dem heutigen Anwesen der Geschwister Königs bestand. Diese heute noch bewohnten und in sehr gepflegtem Zustand befindlichen Gebäude wurden im Jahr 1681 auf den bereits vorhandenen alten Grundmauern errichtet. Die Stärke dieser vorhandenen Fundamente könnten Zeugnisse einer ehemaligen Burganlage sein. Nur auf den höher liegenden Hügeln waren Ansiedlungen möglich, aber auch dieses Gebiet war, wie alle anderen Bereiche in Hilfarth, durch die Wasserführung der Rur insbesondere aber bei Hochwasserereignis-sen der Rur ständig von Wasser bedroht. Dies änderte sich erst als mit dem Bau der Talsperren in der Eifel, etwa ab 1930, begonnen wurde.
Damit das Wasser nach einem Hochwasser abfliessen konnte, gab es im gesamten Bereich „op der Berg“ zahlreiche Gräben, Mulden und kleinere und grössere Weiher. So war der Besitz der Geschwister Königs ehemals völlig von Weihern umgeben. Brück- und Nohlmannstrasse waren durch Weiher getrennt. Bevor mit dem Bau der katholischen Pfarrkirche im Jahre 1903 begonnen werden konnte, musste zunächst ein auf dem Baugrundstück vorhandener Weiher sehr aufwendig mit Kies und Beton verfüllt werden.
Die Menschen die zu dieser Zeit in Hilfarth lebten - um 1800 waren es etwa 700 Einwohner - mussten also Stege und Brücken benutzen um keine nasse Füsse zu bekommen. Wegen der Brücken also, die Namensgebung „Brückstrasse“.
Noch heute erinnern sich die Geschwister Königs freudig an die alte
Zeit zurück: „Wenn wir Kinder an diesen Weihern und kleinen Brücken spielten geschah es nicht selten, dass wir auch einmal ins Wasser reinfielen oder reinrutschten. Besonders im Sommer bei sehr warmen Wetter stank das Wasser oftmals ganz schlimm und unsere Eltern schimpften, wenn wir nass und übelriechend nach Hause kamen. Auch die heutige Nohlmannstrasse, früher hiess sie Weyherstrasse, hatte ihre Namensgebung aus dieser wasserreichen Gegend.

Altes Pfarrhaus

Altes Klostergebäude - Wohnhaus Vieten

Alte Pfarrkirche